ad-banner

NEWS / Festplatte versehentlich formatiert? So werden Daten wiederhergestellt

Mögliche Rettungsstrategien und Einflussfaktoren
Gestern 22:00 Uhr

Die falsche Festplatte zu formatieren, wirkt im ersten Moment endgültig. Doch nach einer Schnellformatierung sind die Dateien oft nicht sofort verschwunden. Ob sich Daten von formatierter Festplatte wiederherstellen lassen, hängt vor allem davon ab, wie formatiert wurde, ob es sich um eine HDD oder SSD handelt und ob seitdem neue Daten geschrieben wurden.

Die wichtigste Regel: Verwenden Sie das betroffene Laufwerk nicht weiter!

Was passiert beim Formatieren einer Festplatte?

Schnellformatierung und Vollformatierung haben sehr unterschiedliche Folgen.

Bei einer Schnellformatierung legt Windows neue Dateisystemstrukturen an. Die eigentlichen Dateiinhalte auf einer HDD bleiben häufig zunächst in den Sektoren erhalten, bis sie überschrieben werden. Datenrettungssoftware kann deshalb noch vorhandene Dateisysteminformationen oder Dateisignaturen suchen.

Eine Vollformatierung ist deutlich problematischer. Moderne Windows-Versionen schreiben dabei über das Volume. Wurden die alten Sektoren überschrieben, ist eine Datenrettung nach Formatierung meist nicht mehr möglich.

Bei SSDs kommt TRIM hinzu. Ob Windows Löschbefehle an eine SSD senden darf, lässt sich in der Eingabeaufforderung mit Administratorrechten prüfen: fsutil behavior query DisableDeleteNotify

Der Wert 0 bedeutet, dass TRIM-Benachrichtigungen aktiviert sind, 1, dass sie deaktiviert sind. Die Abfrage zeigt jedoch nur die Einstellung. Sie sagt nicht, ob TRIM beim konkreten Formatieren ausgeführt wurde oder ob die SSD die betreffenden Blöcke bereits gelöscht hat. Bei externen SSDs hängt die TRIM-Unterstützung zusätzlich vom Gehäuse und vom verwendeten Verbindungsprotokoll ab.

Drei Dinge, die Sie sofort tun sollten

  1. Festplatte nicht weiter verwenden. Kopieren Sie keine neuen Dateien darauf, installieren Sie dort keine Programme und formatieren Sie das Laufwerk nicht erneut. War es das Systemlaufwerk, fahren Sie den Rechner möglichst herunter und schließen Sie die Festplatte als Zweitlaufwerk an einen anderen Computer an.
  2. Zweites Speichermedium vorbereiten. Wiederhergestellte Dateien müssen auf einem anderen Datenträger gespeichert werden. Für ein vollständiges Sektor-für-Sektor-Abbild benötigen Sie mindestens so viel freien Speicherplatz wie die Kapazität des betroffenen Laufwerks.
  3. Datenträgerverwaltung prüfen. Ist die Partition noch vorhanden, aber leer, neu formatiert oder als RAW gekennzeichnet, beginnen Sie mit der Dateiwiederherstellung. Wird der frühere Bereich dagegen als Nicht zugeordnet angezeigt, ist eine Partitionswiederherstellung oft passender.
Überprüfung mittels Datenträgerverwaltung in Windows.

Überprüfung mittels Datenträgerverwaltung in Windows.

Formatierte Festplatte Daten wiederherstellen: vier Möglichkeiten

Welche Methode sinnvoll ist, hängt davon ab, was genau passiert ist. Bei einer gesunden, erkannten Festplatte ist Recovery-Software meist der erste Schritt. Ist die Partition verschwunden, kann eine Partitionswiederherstellung geeigneter sein. Vorhandene Backups sind die einfachste Lösung. Bei Hardwaredefekten sollte ein Datenrettungslabor übernehmen.

Methode 1: Dateien mit Datenrettungssoftware wiederherstellen

Wenn Sie die Festplatte aus Versehen formatiert haben und es sich um eine Schnellformatierung einer gesunden HDD handelt, ist Datenrettungssoftware meist der praktikabelste Einstieg.

Vor der Auswahl lohnt sich ein Vergleich mehrerer Programme. Hardware-Magazin hat bereits sechs Programme zur Datenrettung von Festplatten verglichen.

Disk Drill ist beispielsweise ein Programm zur Wiederherstellung der Festplatte, für Windows und macOS. Es kann formatierte Laufwerke scannen und gefundene Dateien vor der Wiederherstellung anzeigen.

Hinweis: Installieren Sie das Recovery-Programm niemals auf der formatierten Festplatte. Schon die Installation kann noch vorhandene Daten überschreiben.

  1. Disk Drill auf einem anderen Laufwerk installieren. Bei einer externen HDD oder einem USB-Laufwerk kann das Programm in der Regel auf dem internen Systemlaufwerk installiert werden.
  2. Betroffenen physischen Datenträger auswählen. Prüfen Sie Name und Kapazität, damit nicht versehentlich das falsche Laufwerk gescannt wird.
  3. „Verlorene Daten suchen“ starten. Disk Drill führt die verfügbaren Suchmethoden automatisch aus.
  4. Disk Drill: Verlorene Daten suchen

    Disk Drill: Verlorene Daten suchen

  5. Ergebnisse prüfen und wichtige Dateien in der Vorschau öffnen. Eine Datei in der Trefferliste ist noch keine Garantie dafür, dass sie vollständig intakt ist.
  6. Disk Drill: Suchergebnisse im Detail

    Disk Drill: Suchergebnisse im Detail

  7. Dateien auf einem zweiten Datenträger speichern. Wählen Sie niemals die formatierte Festplatte selbst als Ziel.
  8. Wiederhergestellte Dateien kontrollieren. Öffnen Sie einige wichtige Dokumente, Fotos oder Videos, bevor Sie das ursprüngliche Laufwerk erneut verwenden.

Wer unter Windows eine kostenlose Kommandozeilenlösung bevorzugt, kann auch Windows File Recovery ausprobieren. Für ein nach der Formatierung betroffenes NTFS-Laufwerk empfiehlt Microsoft den Modus Extensive.

Auch unter macOS gilt: möglichst nichts mehr auf den betroffenen Datenträger schreiben und wiederhergestellte Dateien anderswo speichern. Diese Anleitung erklärt, wie Sie Mac-Dateien retten.

Methode 2: Verlorene Partition mit TestDisk wiederherstellen

Zeigt die Datenträgerverwaltung den früheren Bereich als Nicht zugeordnet, kann eine gelöschte oder beschädigte Partitionstabelle die Ursache sein. TestDisk ist ein kostenloses Open-Source-Tool, das verlorene Partitionen suchen und die Partitionstabelle neu schreiben kann.

Ist das ursprüngliche Dateisystem noch intakt, lassen sich dabei oft Ordnerstruktur und Dateinamen erhalten.

  1. TestDisk herunterladen und starten. Entpacken Sie das Archiv, starten Sie TestDisk und wählen Sie bei der Frage nach einer Logdatei Create.
  2. Betroffenen physischen Datenträger auswählen. Prüfen Sie Modell und Kapazität und wählen Sie anschließend Proceed.
  3. TestDisk: Betroffenen Datenträger auswählen

    TestDisk: Betroffenen Datenträger auswählen

  4. Partitionstabellentyp bestätigen. TestDisk erkennt den Typ meist automatisch. Lassen Sie in der Regel die vorgeschlagene Option ausgewählt.
  5. Analyse starten. Wählen Sie Analyse und anschließend Quick Search, um nach verlorenen Partitionen zu suchen.
  6. Gefundene Partition prüfen. Markieren Sie die erwartete Partition und drücken Sie P, um die Dateien aufzulisten. Erscheinen die erwarteten Ordner und Dateien, ist das ein gutes Zeichen. Kann TestDisk die Dateien nicht anzeigen, schreiben Sie die Partitionstabelle noch nicht und versuchen Sie Deeper Search.
  7. TestDisk: Gefundene Partition prüfen

    TestDisk: Gefundene Partition prüfen

  8. Partitionstabelle nur bei eindeutigem Ergebnis schreiben. Kehren Sie zur Partitionsliste zurück, wählen Sie Write und bestätigen Sie nur dann, wenn Größe und Inhalt zur früheren Partition passen. Starten Sie Windows danach neu.

Hinweis: TestDisk kann die Partitionstabelle verändern. Wenn Sie unsicher sind oder die Daten besonders wichtig sind, arbeiten Sie besser mit einem Datenträgerabbild oder sichern Sie die Dateien zuerst auf anderem Weg.

Methode 3: Aus einem Backup wiederherstellen

Wenn Backups vorhanden sind, ist das meist einfacher, als eine formatierte Festplatte wiederherstellen zu müssen. Prüfen Sie Windows-Dateiversionsverlauf, Sicherung und Wiederherstellung, OneDrive, Google Drive, NAS-Backups und programmspezifische Sicherungen.

Hinweis: Der Dateiversionsverlauf hilft nur, wenn der betreffende Speicherort zuvor in die Sicherung einbezogen war.

Methode 4: Professionelles Datenrettungslabor

Beenden Sie eigene Wiederherstellungsversuche, wenn eine HDD klickt, schleift, ständig die Verbindung verliert oder vom System nur sporadisch erkannt wird. Wiederholte Scans können einen mechanisch beschädigten Datenträger zusätzlich belasten.

Ein Labor ist auch sinnvoll, wenn die Daten nicht ersetzbar sind. Seriöse Anbieter untersuchen das Laufwerk zunächst und nennen anschließend die voraussichtlichen Kosten.

Wichtig: Auch ein Labor kann keine bereits überschriebenen Daten zurückholen. Wurden Sektoren bei einer Vollformatierung überschrieben oder hat eine SSD Blöcke bereits gelöscht, lassen sich diese Informationen nicht rekonstruieren.

Festplatte formatieren rückgängig machen: Was funktioniert nicht?

Das Formatieren einer Festplatte rückgängig machen lässt sich nicht mit einfachen Windows-Befehlen. Einige häufig empfohlene Kommandos lösen andere Probleme.

attrib -h -r -s ändert lediglich Attribute vorhandener Dateien. Versteckte Dateien können dadurch sichtbar werden, gelöschte Dateisystemeinträge werden aber nicht wiederhergestellt.

CHKDSK repariert Dateisystemfehler, verändert dabei jedoch das Dateisystem. Führen Sie es deshalb nicht vor der Datenrettung aus, wenn die fehlenden Dateien wichtig sind.

Auch eine erneute Formatierung hilft nicht. Sie erzeugt weitere neue Metadaten und kann die Chancen auf eine Wiederherstellung verringern.

Wie sehen wiederhergestellte Dateien aus?

Wer von einer formatierten Festplatte Daten retten möchte, bekommt nicht immer die ursprüngliche Ordnerstruktur zurück.

Sind noch Dateisysteminformationen vorhanden, können Dateinamen und Ordner erhalten bleiben. Bei einer Suche nach Dateisignaturen erscheinen Ergebnisse dagegen oft als 000001.jpg oder file0002.pdf.

Einzelne Dateien können außerdem unvollständig sein, wenn Teile bereits überschrieben wurden. Prüfen Sie deshalb wichtige Dateien, bevor Sie das ursprüngliche Laufwerk wieder verwenden.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann ich Daten wiederherstellen, wenn bereits neue Dateien auf die Festplatte geschrieben wurden?
Manchmal. Recovery-Software kann nur Daten aus Bereichen lesen, die noch nicht überschrieben wurden. Je mehr neue Daten geschrieben wurden, desto geringer sind die Chancen.

Festplatte nach Formatierung wiederherstellen: Wie lange dauert das?
Das hängt von Kapazität, Verbindung, Zustand und Scanmethode ab. Bei großen externen HDDs kann ein vollständiger Scan mehrere Stunden dauern.

Funktioniert das auch bei einer externen Festplatte?
Ja. Schreiben Sie nichts mehr auf das Laufwerk und speichern Sie wiederhergestellte Dateien auf einem anderen physischen Datenträger.

Formatierte Festplatte wiederherstellen kostenlos: Welche Möglichkeiten gibt es?
Kostenlose Tools wie TestDisk können bei verlorenen Partitionen helfen. Windows File Recovery ist eine weitere kostenlose Option für die Dateiwiederherstellung. Welche Methode funktioniert, hängt davon ab, was beim Formatieren passiert ist.

Kann man eine formatierte SSD wiederherstellen?
Teilweise. Durch TRIM sind die Chancen oft schlechter als bei einer HDD. Bei wichtigen Daten sollten Sie die SSD möglichst nicht weiter verwenden.

Fazit

Wurde eine gesunde HDD schnellformatiert, beginnen Sie mit Recovery-Software und speichern Sie gefundene Dateien auf einem anderen Datenträger. Ist die Partition verschwunden, kann TestDisk helfen. Bei Hardwareproblemen ist ein Labor die bessere Wahl. Wurden Daten bereits überschrieben, kann dagegen weder Software noch ein professioneller Dienst sie wiederherstellen.

Quelle: Hardware-Magazin, Autor: Patrick von Brunn
ZOTAC RTX 5080 SOLID CORE OC 20th Anniversary Edition
ZOTAC RTX 5080 SOLID CORE OC 20th Anniversary Edition
RTX 5080 SC OC 20th Anniversary Edition

Hersteller ZOTAC präsentiert anlässlich seines 20-jährigen Bestehens eine auf nur 2.000 Stück limitierte GAMING GeForce RTX 5080 SOLID CORE OC 20th Anniversary Edition Grafikkarte. Wir haben sie heute exklusiv im Test.

Flexibel: PNY DUO Link V3 mit 1 TB im Test
Flexibel: PNY DUO Link V3 mit 1 TB im Test
PNY DUO Link V3 1 TB

Der DUO Link V3 von PNY bringt dank zweier USB-Schnittstellen der Typen A und C reichlich Flexibilität in der Handhabung. Wir haben uns das Modell mit großzügigen 1 TB Speicherkapazität im Test genauer angesehen.